Grußwort von Laurence Freeman OSB

Gemeinsam mit der deutschen Gemeinschaft möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen.

Wie immer Sie auf diese Seite gestoßen sind, so hoffe ich, dass die Zeit, die Sie hier verbringen, Ihre geistige Suche bereichern wird.
Unsere heutige Welt wird immer globaler. Dieses neue Bewusstsein von Universalität ist ein Zeichen des Wachstums und eine neue Hoffnung für die Menschheit. Doch haben wir es ebenso nötig, ansässig zu sein – dazu zu gehören und Wurzeln zu schlagen.
Meditation ist ein großartiges Zeichen dafür. Zum einen ist die Meditation universell, zum anderen erlernen wir sie in einer bestimmten Tradition. Und wenn wir dann erfolgreich sind, finden wir uns wieder in einer Gemeinschaft geistiger Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung.
Die Weltgemeinschaft für christliche Meditation ist global tätig und dennoch hat jedes Land, jede Region auch eine eigene Gemeinschaft. Also, herzlich willkommen in unserer Gemeinschaft! Ich hoffe, Ihr Besuch wird Ihnen helfen, Inspiration zu finden, Nahrung für die geistige Reise mitzunehmen und eine Erfahrung der Freundschaft im Geist zu machen.
Laurence Freeman OSB

John Main: Schweigen und Stille - jeden Tag

18. April

Die Meditation, für die wir uns täglich engagieren, ist einfach der Zustand, in dem wir bekehrt sind, in dem wir nicht in Vorstellungen oder in begrenzten Bildern leben, sondern in der Wirklichkeit Gottes verwurzelt sind. Ein einfaches Mittel verhilft uns dazu, über das Denken und die Vorstellung hinaus in diese Wirklichkeit Gottes einzugehen. Darum geht es bei unserem Mantra, unserem Wort: über alle Gedanken und Bilder hinauszugehen und uns zu öffnen für die höchste Wirklichkeit Gottes, der Liebe ist. Unsere Einladung als Christen, die an jeden von uns ergeht, besteht darin, unser Leben in diesem Zustand dynamischer Bekehrung zu leben, sozusagen mit einer unendlichen Perspektive: alles Leben, die gesamte Geschichte, alle Zeit, sind von der Liebe Christi erleuchtet. Das Kreuz ist das große christliche Symbol, weil seine horizontale Ebene von seiner vertikalen Ebene durchbrochen wird. Und so beruht die christliche Vision nicht darauf, dass wir dieses Leben, die Geschichte oder die Zeit gering schätzen, sondern dass wir uns für die große geschichtliche Tatsache öffnen, dass die Liebe Christi in die Zeit eingebrochen ist. Das ist die Wirklichkeit, aus der wir leben dürfen. Wir können nur aus ihr heraus leben, wenn wir in unserem innersten Herzen offen für sie sind – nicht für Bilder, für eingebildete Illusionen, wie heilig, wie religiös auch immer, sondern für die Wirklichkeit, für den Fels, der Christus ist.

John Main in: Being on the Way

Übersetzt von Christiane Floyd

Aus: Daily Readings with John Main: Silence and Stillness in every season.
Paul Harris (ed.), MedioMedia, Singapore 2010